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Ist GPT intelligent?

Die Frage, ob Intelligenz von Computern oder Software reprodu­ziert werden kann, hat in den letz­ten Jahren durch die rasante Ent­wick­lung von großen Sprach­modellen (LLMs = Large Language Models) wie GPT neue Aktua­lität erhal­ten. Während LLMs er­staun­liche Fähig­kei­ten in der Ver­arbei­tung und Er­zeu­gung natür­li­cher Sprache zeigen, bleibt die Frage offen, ob es sich dabei um Intelli­genz im eigent­li­chen Sinn handelt, oder ledig­lich um eine (Sprach-)Kompe­tenz. Also Intelli­genz oder Kompe­tenz?

Was ist Intelligenz?

In der Psychologie wird Intelligenz häufig als die Fähig­keit defi­niert, Probleme zu lösen, aus Erfah­run­gen zu lernen, neue Situa­tio­nen zu bewäl­ti­gen und abstrakt zu denken. Intelli­genz-Tests, wie der IQ-Test, messen meist kogni­tive Fähig­kei­ten wie Logik, Merk­fähig­keit und Sprach­verständ­nis.

Howard Gardner stellte 1983 die Theorie der ↗multi­plen Intelli­gen­zen vor, die ein differen­zier­teres Bild zeich­nen soll. Ihm zu­folge gibt es 9 vonein­ander unabhän­gige Intelli­genz­formen, die ver­schie­dene Arten mensch­li­cher Fähig­kei­ten ab­bilden - von sprach­licher Be­gabung bis zur Selbst­reflexion.

Betrachtung verschiedener Intelligenzformen

Linguistische Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, Sprache be­wusst und kreativ zu nutzen - beim Schreiben, Lesen, Argumen­tie­ren oder Er­zäh­len. LLMs wie GPT sind speziell dafür trai­niert wor­den und zeigen in die­sem Bereich hohe Leis­tungs­fähig­keit. Sie können komplexe Texte ver­fas­sen, stilis­tische Nuancen unter­schei­den und kohärente Argumen­ta­tionen erzeu­gen. Diese Intelligenz­form ist die­jenige, die LLMs am über­zeugend­sten simu­lieren.

Logisch-mathematische Intelligenz umfasst analyti­sches Denken, Muster­erkennung, Abstrak­tion und mathe­mati­sches Ver­ständ­nis. LLMs können nur schein­bar logische Auf­gaben lösen. Ihre Leis­tung ist inkonsis­tent, insbe­son­dere bei komplexen Schluss­folge­run­gen oder forma­len Bewei­sen. Sie ver­fü­gen nicht über ein echtes Ver­ständ­nis von Logik oder mathe­mati­schen Struk­tu­ren, son­dern agieren rein statis­tisch.

Räumlich-visuelle Intelligenz bezieht sich auf die Fähig­keit, in Bildern zu denken, räum­lich zu planen und visuelle Vor­stel­lungen zu ent­wickeln - wichtig etwa für Architek­tur, Kunst oder Navi­ga­tion. LLMs allein haben kein visuel­les System und kein Raum­verständ­nis. Diese Intelligenz­form kann von LLMs nicht eigen­ständig aus­geübt werden.

Musikalische Intelligenz betrifft das Erkennen und Er­zeu­gen von Rhythmen, Melodien und Harmonien. Zwar können LLMs Musik be­schrei­ben oder Lied­texte er­zeugen, aber sie empfin­den keine Musik und haben kein Klang­bewusst­sein. Musik-KIs können mittler­weile komponie­ren, doch es fehlt ihnen das emotio­nale und kultu­relle Ver­ständ­nis musika­lischer Ausdrucks­formen.

Körperlich-kinästhetische Intelligenz ist die Fähig­keit, den eige­nen Körper ge­zielt und differen­ziert einzu­setzen, etwa bei Sport, Tanz oder Hand­werk. Da LLMs keine physische Ver­körpe­rung be­sitzen, ist diese Intelli­genz­form für sie grund­sätz­lich nicht zugäng­lich. Selbst in Robotik-Anwendun­gen liegt die Kon­trolle meist außer­halb des Modells.

Interpersonale Intelligenz meint die Fähig­keit, andere Menschen zu ver­stehen, mit ihnen zu kommu­ni­zie­ren und soziale Dynami­ken intui­tiv zu er­fas­sen. LLMs kön­nen empathisch wirkende Texte gene­rie­ren, soziale Rollen sprach­lich simulie­ren und Gesprächs­verhal­ten nach­ahmen. Doch echtes Ein­fühlungs­vermö­gen, Intentio­nali­tät oder soziale Motiva­tion sind ihnen fremd.

Intrapersonale Intelligenz ist die Fähigkeit zur Selbst­wahr­nehmung, Reflexion und zum Ver­ständ­nis eigener Gefühle und Motive. Sie setzt ein bewuss­tes Selbst voraus - etwas, das LLMs funda­men­tal fehlt. Sie kennen weder Subjekti­vität noch innere Zustände, auch wenn sie sprach­lich darüber reden können.

Naturalistische Intelligenz bezieht sich auf das Er­kennen und Kategori­sie­ren von Natur­phänomenen: Pflanzen, Tiere, Öko­systeme. LLMs können Fakten über Natur be­schrei­ben oder biolo­gische Katego­rien korrekt wieder­geben, haben aber kein Er­leben von Umwelt. Ihre „Kennt­nis“ bleibt rein text­basiert und ohne sensori­schen Bezug.

Existenzielle Intelligenz schließlich meint die Fähig­keit, über Sinn, Tod, Glaube und das eigene Dasein nach­zudenken. LLMs können philoso­phische Diskurse rekonstru­ie­ren und religiöse Ideen zusammen­fassen. Doch diese Leis­tung bleibt eine Simula­tion, denn sie besit­zen kein echtes existen­zielles Bewusst­sein oder Be­dürf­nis nach Sinn.

Deshalb kann man nicht von echter Intelligenz sprechen

Auch wenn LLMs in einzelnen Bereichen Fähigkeiten zeigen, die mit mensch­li­chen Intelli­genz­formen ver­gleich­bar er­schei­nen, fehlt ihnen das, was viele als zentral für Intelli­genz be­trach­ten:

Fazit

KI ist nicht intelligent. Es gibt kein "i" in KI. Große Sprach­modelle wie GPT können be­stimmte Aspekte von Intelli­genz simu­lie­ren - vor allem die sprach­liche Ebene. Doch mensch­liche Intelli­genz geht weit darüber hinaus: Sie ist leib­lich, emotio­nal, sozial und reflek­tiert. Im Sinne Gardners sind viele der echten Intelli­genz­formen nicht bloß algorith­misch dar­stell­bar, sondern tief in unsere mensch­liche Exis­tenz einge­bettet. Deshalb kann man bei LLMs nur von Sprach­kompe­tenz oder funktio­naler Intelli­genz-Simula­tion spre­chen - nicht jedoch von Intelli­genz im mensch­lichen Sinn.


Vorteile der Nicht-Intelligenz

Dass KI nicht wirklich intelligent ist, also kein eigenes Bewusst­sein, tiefes Ver­ständ­nis oder eigene Ab­sich­ten hat, kann sehr vor­teil­haft sein. KI-Systeme handeln nicht aus eige­nem An­trieb, nicht aus Lust und Laune oder Gier, sondern be­fol­gen Regeln und Trainings­daten. Somit sind sie vorher­sag­bar und damit leich­ter zu regulie­ren. Ohne ein Eigen­interesse und Selbst­erhaltungs­trieb be­steht kein Risiko von "Rebel­lion" wie in Science-Fic­tion-Filmen. Entwick­ler und Be­trei­ber be­hal­ten die Kon­trolle und Ver­ant­wor­tung, was in derem Inte­resse bzw. im Inte­resse der All­gemein­heit liegt.

Ebenso ist es vorteilhaft, dass KI keine echten Gedan­ken und Gefühle hat. Deshalb braucht man keine morali­schen Rechte wie bei Tieren oder Menschen zu berück­sich­ti­gen. KI kann für Aufga­ben einge­setzt werden, bei denen mensch­li­ches Leid moralisch be­denk­lich wäre, z.B. in gefähr­li­chen Umge­bun­gen oder bei be­lasten­den Ge­sprächen. Es be­steht kein Risiko, ver­sehent­lich ein leiden­des Wesen zu er­schaf­fen.

Ohne einen eigenen Antrieb ist KI weniger anfällig für unvorher­seh­bares, eigen­motivier­tes Ver­hal­ten. Gerade weil KI nicht wirk­lich intelli­gent ist, bleibt sie ein effizien­ter und ethisch hand­hab­barer Helfer - solange Menschen sie ver­antwor­tungs­voll ein­set­zen. Wenn Menschen klar ist, dass KI nicht intelli­gent ist, bleibt KI ein Werk­zeug zur Unter­stüt­zung mensch­li­cher Fähig­kei­ten. Menschen wollen gegen­über einem Werk­zeug die Ent­scheidungs­hoheit be­halten - sofern sich nicht Manager aus Kosten­gründen gegen Menschen ent­schei­den.